Altarweihe in der Pfarrkirche Allerheiligen bei Wildon am Fest Allerheiligen

Allerheiligen, 1. November 2016

Vor 550 Jahren wurde die Kirche von Allerheiligen bei Wildon zur Pfarrkirche ernannt, der schöne gotische Taufstein trägt dazu die Jahreszahl 1466. Anlässlich dieses Jubiläums hat der Pfarrgemeinderat der Pfarre Allerheiligen bei Wildon beschlossen, die Pfarrkirche zu renovieren. Bei dieser Generalsanierung wurde geplant, die Pfarrkirche innen und auch außen schön herzurichten, so dass sie wieder für Generationen von Familien eine schöne religiöse Stätte des Gebets, aber auch ein Zentrum für die vielfältigen kulturellen Aktivitäten der Gemeinde Allerheiligen und der vielen Vereine sein kann.

So wurde im Rahmen der Außenrenovierung das Turmblech ausgebessert und neu gestrichen, auch das Kirchturmkreuz wurde neu vergoldet. Die gesamte zum Teil bereits stark abbröckelnde alte Außenfarbe wurde entfernt und der Kirche ein sehr erhabenes und würdiges Aussehen durch die äußere Farbgestaltung gegeben. Die großen Bäume auf der Turmseite der Kirche, die das Mauerwerk durch Beschattung sehr belastet hatten, wurden entfernt und eine Öffnung im Pfarrgartenbereich zum Spazierengehen um die Kirche herum geschaffen. Mit der Außenanlage um die Kirche herum wurde gewartet, weil sie im nächsten Jahr harmonisch mit der Platzgestaltung der Gemeinde gemeinsam geplant wird.

Der ebene und barrierefreie Zugang in die Pfarrkirche über den Haupteingang bereitet vielen Menschen große Freude! Zusätzlich kann die Kirche auch über die Turmkammer durch die große ehrwürdige eisenbeschlagene Tür betreten werden. In der Turmkammer selber wurde ein neuer Beichtstuhl eingebaut und auch der Kerzenopferstand aufgestellt. 

Im Altarraum der Kirche wurden die vielen Stufen auf eine einzige Stufe im gesamten Altarraum verringert. Dadurch ist dieser Bereich jetzt wesentlich größer, und das Feiern mit Kindern oder mit dem Familienchor wird erleichtert. Auch für kulturelle Veranstaltungen in der Pfarrkirche gibt es jetzt wesentlich mehr Platz im Altarraum. Der Altar als Ort der Eucharistiefeier und der Ambo als Ort des Wortes Gottes wurden neu geschaffen – mit dem gleichen Sandstein, von dem auch der Taufstein aus dem Jahr 1466 stammt. Die schlichten neuen Bänke sind modern gestaltet, dem Gesamtraum der Kirche angepasst und bieten hervorragende Sitzmöglichkeiten! Die vorderen drei Bankreihen sind sogar verstellbar! Die zusätzliche Beleuchtung und die neue Lautsprecheranlage werden die Gottesdienste und auch die Veranstaltungen in der Pfarrkirche bereichern! 

Die gotische Seitenkapelle rechts ist mit dem Taufstein ein besonders schöner Ort der Taufe. In dieser gotischen Kapelle ist auch ein besonderer „Schatz“ freigelegt worden, eine alte Fresko-Malerei in Schlämmtechnik auf Kalkputz. Sie zeigt die Kreuzigung Jesu, verbunden mit einer großen Anzahl von Menschen, die im Gewand des späten Mittelalters unter dem Kreuz stehen. Diese Malerei ist wahrhaft ein Juwel für unsere gesamte Pfarrkirche und etwas ganz besonderes für die gesamte Südsteiermark! 

Die komplette Generalrenovierung der Pfarrkirche kostete über 400.000 Euro, wovon ein Drittel die Diözese Graz-Seckau übernimmt und ein weiteres Drittel die Gemeinde Allerheiligen. Die Generalrenovierung begleitete Herr DI Josef Niederl vom Bauamt des Bischöflichen Ordinariats, Frau DI Ulrike Wallnöfer als Architektin und Herr Dr. Robert Walle vom Bundesdenkmalamt. Der Altar und der Ambo wurden vom Grazer Künstler Gernot Seier mit Symbolen der Freude und Gemeinschaft gestaltet. Herzlichen Dank allen ausführenden Firmen, der Unterstützung der Gemeinde Allerheiligen mit Bürgermeister Michael Fuchs-Wurzinger, dem Pfarrgemeinderat und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und besonders der Pfarrbevölkerung für die finanzielle Unterstützung.

Für viele Jahrzehnte wurde durch diese Gesamtrenovierung ein großartiges Werk geschaffen. Freuen auch Sie sich über diese wunderschöne Pfarrkirche! Viel Freude mit der „neuen“ Pfarrkirche Allerheiligen durch die Mitfeier bei den verschiedenen Festen und Feiern der Pfarre, aber auch durch die Teilnahme an kulturellen Aktivitäten in der Kirche.

Bei der Festmesse am 1. November sprach Generalvikar Dr. Erich Linhardt vom Wert und der Wichtigkeit auch kleinerer Pfarren für die Gemeinschaft und für das Leben des Glaubens.

Nach der Predigt setzte Generalvikar Dr. Erich Linhardt vor dem neuen Altar ein Reliquienkästchen bei, die von der ersten Kirchweihe im Jahr 1448 stammte. Sie enthält Reliquien des Grabes Christi, des Grabes Mariens sowie jenem der Jungfrauen Agnes, Margarethe, Agatha, Christine und Konstantia. Danach wurde der Altar mit Weihwasser besprengt und mit Chrisamöl gesalbt. Nach dem Verbrennen von Weihrauchkörnern auf dem Altar an den 5 mit Kreuzen bezeichneten Stellen und dem Weihegebet wurde dann der Altar von Kindern für die Gabenbereitung geschmückt und gedeckt. Die Festmesse gestaltete der Chor von Allerheiligen gemeinsam mit den Kindergarten- und Volksschulkindern unter der Leitung von Frau Elisabeth Koval mit. Den festlichen Einzug und die Agape des Pfarrgemeinderats nach der Festmesse begleitete die Ortsmusikkapelle Allerheiligen unter der Leitung von Obmann Norbert Rössler und Kapellmeister Gerhard Monsberger.

Dechant Mag. Alois Stumpf im November 2016

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Pfarre Allerheiligen bei Wildon

Kurzgefasste Geschichte der Pfarre Allerheiligen
(von Pfr. Ing. Kurt Lampl)

Wie in vielen Fällen ist auch die Pfarrkirche Allerheiligen aus einer seit längerem bestehenden Messkapelle hervorgegangen, die zu einer Pfarrkirche ausgebaut wurde.  Seit 1218 urkundlich erwähnt, existierte hier eine kleine, ca. sechs mal zwölf  Meter große romanische Kapelle, die dem Heiligen Rupert von Salzburg  geweiht war, als ältester Baukern der heutigen Kirche.

1448 wurde die Kirche im gotischen Stil mit Apsis und Turm ausgebaut und dem besonderen himmlischen Schutz aller Heiligen anvertraut. (Bild Grundriss) Damals hatte ein Ritter Markwart von Herbersdorf diese Fromme Stiftung gemacht und Liegenschaften zur Erhaltung der Bausubstanz und Zelebration von Gottesdiensten überschrieben.

Schon 1147 gab es einen urkundlich erwähnten Heinrich von Herbersdorf. 

Der Ort, für den die Kirche 1448 vergrößert wurde, hieß von nun an Allerheiligen bei Herbersdorf. Der Name Allerheiligen "bei Wildon" kam erst in der Neuzeit auf, vielleicht um die nächstgelegene Bahnstation zu nennen. Allerdings waren die Ritter von Herbersdorf und die Herren von Wildon in uralter Allianz verbunden.

Mit dem Entschluss der Herbersdorfer, ihre Grabstätte in der Schlosskapelle, die dem heiligen Matthäus geweiht war, nicht zu erweitern, sondern in der neuen Allerheiligenkirche zu errichten, wurde der erste Schritt zur Errichtung der Pfarre gemacht. Durch die Einweihung des schönen Taufsteins mit der verzierten gotischen Inschrift "1466" wurde die "Pfarre" errichtet, denn Taufstein und Begräbnisstätten waren damals die wesentlichen Kennzeichen einer Pfarrkirche. (Bild Taufstein)

Es dauerte ca. 100 Jahre bis die Pfarre in erste Existenzschwierigkeiten kam. Schuld daran waren die politischen Gegensätze, die im lutherischen Protestantismus einen ideologischen Hintergrund suchten.  Der oppositionelle Landadel wurde geschlossen protestantisch. Auch in den Städten wuchs die politische Opposition. In Graz, das im 16. Jahrhundert noch eine kleine Stadt mit ca. 12.000 Einwohnern war, gab es nur mehr 200 katholische Familien. Die Herbersdorfer waren betont protestantisch und hatten in ihrem Nebenbesitz Schloss Kalsdorf bei Ilz einen besonders lange gegen die sogenannte "Restauration" verteidigten evangelischen Stützpunkt in ihrer Schloßkirche.

Auch in der Kirche Allerheiligens hat sich ein Denkmal des Protestantismus als Gegensatz zum Allerheiligenbild erhalten. Beim Umbau 1720 wurde das Herbersdorfer Gruftrelief im rechten hinteren Teil der Kirche eingemauert. Es zeigt den Ritter Franz von Herbersdorf, umgeben von seinen zwei verstorbenen Frauen und einer großen Schar von Kindern. Er verabscheute den Heiligenkult und kniete als Ritter nur vor dem Bild des gekreuzigten Erlösers.

Bischof Martin Brenner, der um 1600 ein strenger Visitator war, konnte dieses große und schwere künstlerische Relief nicht einfach verschwinden lassen, aber er veranlasste, dass alle Monogramme und sonstigen Stifterhinweise der protestantischen Herbersdorfer aus der Kirche entfernt wurden. Die Herbersdorfer haben sich trotzdem als Stifter der Kirche von Herbersdorf verewigt, indem sie in der Kirche von St. Georgen eine einzigartige diesbezügliche Stiftungsurkunde mit Angabe des fortbestehenden Stiftungskapitals in Stein meißeln und einmauern ließen. 

Sie wollten offenbar nicht, dass Allerheiligen einer Nachbarpfarre für immer und ewig einverleibt werde. Die neue pfarrliche Selbständigkeit Allerheiligens haben die Herbersdorfer aber nicht mehr erlebt. Sie starben in der männlichen Linie während des dreißigjährigen Krieges (1620-1648) aus. Ihr Schloss wurde von den Jesuiten billig ersteigert, die es aber umfangreich erweiterten und zu einem Exerzitien- und Urlaubshaus für die Grazer Universitätsprofessoren ausbauten.

So war Allerheiligen lange Zeit keine Pfarre mehr, der schöne Taufstein wurde tief in der Kirchenwand eingemauert, aber die Kapläne von St. Georgen mussten nur pro Forma in Allerheiligen ca. alle drei Wochen und zu heiligen Zeiten tätig werden. Die Jesuitenpatres haben in Allerheiligen eine Art freiwilliger Ersatzseelsorge geleistet. Nicht nur das. Als eine für das Bauwerk Kirche zuständige Schlossherrschaft haben sie im Jahr 1720 die Kirche großmächtig im barocken Stil umgebaut und mit dem Altarbild aus der Künstlerwerkstatt Johann Cyriak Hackhofers (Stift Vorau) geschmückt (Das Bild zeigt im Vordergrund den Ordensstifter Ignaz von Loyola). Durch zahlreiche politische Interventionen mächtiger katholischer Herrscher wurde der fortschrittliche Jesuitenorden, der zum Beispiel im „Heiligen Experiment“ gegen die Sklaverei kämpfte und immer einflussreicher geworden war,  vom römischen Papst Klemens XIV. im Jahr 1773 weltweit (mit Ausnahme Preußens und Russlands) aufgehoben.

Die nächste bedrohliche pfarrliche Krise für Allerheiligen war gegeben, denn das Schlosskloster Allerheiligen wurde enteignet und dem sogenannten staatlichen Religionsfonds einverleibt. Allerheiligen stand - nur spärlich versorgt - ohne Seelsorger (und Lehrer) da und der Weg zur nächsten betreuten Kirche war weit.  

Nach 14 Jahren ergab sich eine Patentlösung durch die staatliche Errichtung der sogenannten Josefinischen Pfarren. Aus den durch Klosterenteignungen übervollen Religionsfonds wurden in der Steiermark mindestens 50 neue meist kleinere Pfarren errichtet. Die Pfarre Allerheiligen erlebte 1787 eine Wiederauferstehung, indem man so Arbeitsplätze für die Angehörigen der aufgelassenen Klöster schuf. Der erste Seelsorger, Josef Prunaderer, stammte aus dem aufgelassenen Kloster Stainz, der zweite, Franz Basulko, war ein arbeitsloser Jesuit. 1898 unter Bischof Zwerger wurden die 50 Quasipfarren zu richtigen Pfarren erhoben.

In Allerheiligen blieb allerdings der schöne Taufstein aus alten Pfarr-Zeiten vergessen und verschollen bis er 1997 entdeckt, befreit, restauriert und im gotischen Teil der Kirche wieder aufgestellt wurde. Die stolzen josefinischen Pfarrer konnten von 1898 an, wenn es der jeweilige landwirtschaftliche Pfründenbesitz hergab, auch einen Kaplan aufnehmen. In Allerheiligen gab es eine andere Lösung. Ab 1838, nach dem Tod des Tiroler Freiheitskämpfers Baron Martin R. Teimers, kaufte eine gewisse Familie Tschagger aus Südtirol das Schloss Herberstorf und hatte noch genug Geldmittel, um für Priesterpensionisten in Allerheiligen die Existenz zu sichern.  Die pensionsreifen Nutznießer dieser Stiftung lebten bis nach dem 2. Weltkrieg im sogenannten Missarhaus, das heute der Pfarrhof ist. Sie halfen seelsorglich im Beichtstuhl aus und zelebrierten in der Pfarrkirche zusätzliche Heilige Messen.